Mit ihren klauenartigen Händen greift Sultan nach Oliven vom knorrigen Baum und stopft sie in die Taschen ihrer Hose. Sie ist auf dem Land aufgewachsen und sieht ihre Hände als Werkzeuge. Die Zweige kratzen über ihre Haut, während sie sich ihren Weg durch das Geäst bahnt. Schweißperlen bilden sich auf ihrer Stirn; inzwischen beginnt die Sonne, das ganze Tal langsam auszuleuchten und strömt warm über die Hügel und in die trockenen Felder darunter.
„Sie patrouillieren hier jede Stunde“, sagt sie und zeigt in die Ferne. „Aber all dieses Land gehört uns.“
Von ihrem Haus aus schneiden Wachtürme die Sicht am Horizont, und gleich dahinter liegt eine Ortschaft, nur einen kurzen Fußweg entfernt – und doch unerreichbar.
„Burning Sun on Frozen Conflicts“ dokumentiert das Leben im Norden von Zypern – einer Region, die seit über 50 Jahren nach einem Bürgerkrieg zwischen griechischen und türkischen Zyprioten geteilt ist. Regiert von der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern (TRNC), ist der Norden durch die sogenannte „Green Line“ vom EU-Mitgliedstaat im Süden getrennt – eine von den Vereinten Nationen überwachte Pufferzone, die sowohl Städte als auch ländliche Dörfer durchschneidet.
Diese Teilung hat Orte wie Louroujina tiefgreifend geprägt. Einst lebten hier rund 5.000 türkische Zyprioten, heute sind es nur noch etwa 170 Einwohner. Durch verschobene Grenzen isoliert, steht das Dorf am Rande des Verschwindens. Die „Green Line“ scheint die Zeit eingefroren zu haben und lässt das Leben in einem Zustand des Stillstands verharren.
Das Projekt zeigt die menschlichen Kosten dieses eingefrorenen Konflikts: ein Leben unter Besatzung, kulturelle Auslöschung und eine wachsende Abhängigkeit von der Türkei. Trotz jahrzehntelanger ungelöster Spannungen sind sowohl der politische Konflikt als auch die Menschen, die mit seinen Folgen leben, weitgehend in Vergessenheit geraten.